ADAC - Campingfreunde Berlin e.V.
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35. Jubiläum des

Caravan Club Leipzig e.V. im ADAC

vom 31. Mai bis 3.Juni 2013

Wir waren vom Dessauer Jubiläum am Sonntagmittag mit vier Einheiten nach Leipzig zum 35. Jubiläum aufgebrochen. Wir wollten uns auf dem Campingplatz in Ermlitz (bei Leipzig) noch eine schöne Woche machen und alle Annehmlichkeiten, die ein Campingplatz bietet nutzen. Schön warm duschen, Frischwasser auffüllen und Müll entsorgen - na ihr wisst schon!

An unserem Anreisetag war der Platz fast leer, genügend Stellplätze für uns. Die tagelangen Regenfälle hatten aber auch hier ihre Spuren hinterlassen. Die schöne grüne saftige Wiese wurde immer schwerer und tiefer.

Die Weiße Elster, die hinter dem Deich entlang strömte hatte sich schon bis über die Uferwiesen zum Fuß des Deiches ausgebreitet, stellte für uns aber keine Gefahr dar. Doch unterbrochen von wenigen Stunden regnete es weiter. Die Einheiten Bode und Kühne hatten sich aus unterschiedlichen Gründen entschieden, nicht dem Regen zu trotzen, sondern lieber nach Hause zu fahren. Das war zumindest für Werner nicht so einfach. Das Mobil wollte nicht von der schlammigen Wiese, die Antriebsräder mahlten sich immer tiefer in den Schlamm. Nur mit Zuhilfenahme einer Abschleppstange und Allrad konnte das Ärgernis beseitigt werden. Wir blieben mit Isolde und Klaus zurück.

Am darauf folgenden regenfreien Tag nutzten wir die Gelegenheit zu einem Zoobesuch in Leipzig. Es war ein schöner erlebnisreicher Tag in der gut angelegten und gestalteten Anlage. In der riesigen Kuppelhalle des „Botswanerlandes“ konnten wir sogar mit einem Boot durch die Erdgeschichte und die Botanik fahren. Auf dem Rundweg durch die Halle wurde uns gehörig eingeheizt mit tropisch schwüler Atmosphäre. Auch die Außenanlagen wurden ansprechend gestaltet und reizten zum Schauen und Verweilen. Die vielfältige Fauna war auf meist kurzen Wegen zu erreichen, trotz der weitläufigen Anlage.

Ein schöner Tag der uns das schlechte Wetter doch etwas vergessen ließ!

Die Tage bis zum Beginn des Jubiläumstreffens haben wir gemütlich verbracht. Die Nachricht, dass wir noch mit knapp 60 Einheiten auf dem Platz zu rechnen hätten, machte uns Sorge, denn wir beide mussten bis Montag wieder zu Hause sein. (Man hat so seine Verpflichtungen!)

Damit wir nicht „zugeparkt“ werden konnten, mussten wir uns anders Aufstellen. Die Wiese war nun noch weicher und feuchter. Klaus war auch nur noch mit der Abschleppstange wegzubewegen, aber es wurde geschafft. Hintereinander aufgereiht warteten wir auf die Anreisenden Einheiten. Einige fanden noch ihren Platz auf dem Campinggelände, aber der größte Teil wurde außen aufgestellt. Denn wenn alle den Platz befahren hätten, wäre der Platz so aufgewühlt worden, das die diesjährige Saison beendet wäre, wegen nicht mehr nutzbarem Gelände. Diese Schäden zu beseitigen, hätte sich auf Monate hingezogen. Es war absehbar und so geschah es: 120 Personen benutzen den Zugang zum Sanitärgebäude, gehen zur Wasserstelle oder bringen den Müll zu den Tonnen. Der so frequentierte Bereich wurde mehr und mehr zu einer Schlammkuhle, nur noch mit Gummistiefeln zu betreten. Zur Busfahrt haben wir unsere Straßenschuhe im Beutel mitgenommen und erst am Bus angezogen. Man kann sich ja behelfen!

Die Busfahrt zum Schloss Colditz führte uns durch Grimma, ein Ort an der Mulde. Es war an diesem Samstag bereits fraglich, ob wir die vorgesehene Strecke befahren konnten. „Wir werden sehen wie weit wir kommen. Fahren wir erst mal los“, erklärte uns der Busfahrer und es klappte einwandfrei.

Das Schloss Colditz wird heute unterschiedlich genutzt. Hier sind eine Jugendherberge und ein Medienzentrum untergebracht. Von ehemaligen Fürsten, Grafen usw. wurde das Schloss schon lange nicht mehr genutzt. Seine heutige geschichtliche Bedeutung hat es als Kriegsgefangenenlager für alliierte Offiziere im zweiten Weltkrieg erlangt. Es hatte den Ruf ausbruchssicher zu sein. Das dies nicht so war, bestätigten 300 Ausbrüche, von denen 31 erfolgreich waren, und das obwohl hier nur Gefangene eingewiesen wurden, die bereits Ausbruchsversuche hinter sich hatten, also Spezialisten. Der Einfallsreichtum der Gefangenen kannte kein Limit. Sie gruben in sieben Monaten einen Tunnel, der dann kurz vor seiner Fertigstellung entdeckt wurde. Es fehlten nur noch wenige Meter. Andere Insassen bauten aus Holz und Betttüchern in einem geheimen Raum auf dem Dachboden einen Gleiter.

Der kam wegen des nahenden Kriegsendes nicht mehr zum Einsatz, wurde später von den Alliierten entdeckt, aber zerstört. Später hat man nach den vorhandenen Bauplänen einen Nachbau hergestellt und auf seine Flugeigenschaften getestet. Mit dem Ergebnis, er flog und hätte eine weitere Flucht vom Schlossdach ins Tal über die Mulde erfolgreich gemacht. Wir hörten außerdem, dass das Schloss während des Krieges nachts immer hell angestrahlt wurde. Kein alliierter Bomber hat das Schloss oder die Stadt je angegriffen. Die Gegend galt als sicherer Zufluchtsort für die Zivilbevölkerung.

Ein anschaulicher Einblick in erst vor kurzem vergangene Geschichte.

Die Rückfahrt durch Grimma ließ uns schlimmes ahnen. Im ganzen Ort waren Polizeikräfte und Fahrzeuge präsent. Warum?

In der Nacht zum Sonntag wurde Grimme vom Wasser der Mulde überschwemmt, das Unheil nahm seinen Lauf und rollte auf weitere Orte Flussabwärts zu.

Davon wussten wir noch nichts, als wir unseren festlichen Abend im Gemeindesaal von Ermlitz feierten. Erst am nächsten Morgen erfuhren wir, das auch die restlichen Programmpunkte dieses Treffens buchstäblich „ins Wasser“ fallen würden.

Um 10°° Uhr, nach dem Frühstück, wurden wir verabschiedet und nach Hause entlassen. Die bedrohliche Wetterlage machte das erforderlich. Ein Blick von der Deichkrone ließ schlimmes ahnen. Die Weiße Elster bedrohlich angestiegen, war auf der gesamten Breite zu einem reißenden Strom geworden. Noch etwa einen Meter höher würde sie den Campingplatz überfluten. Wir räumten ohne Bedauern das Feld und freuten uns auf die Heimat mit besserem Wetter? Bereits auf der A9 Richtung Berlin kam die Durchsage, das in Leipzig der Notstand ausgerufen wurde. - Nichts wie weg, um hinter der Elbbrücke in den nächsten Wolkenbruch zu fahren! -

Ende einer Schlammschlacht, schade für den Veranstalter!

Wolfgang Schäfer


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